In der letzten Woche hüpfte mir wieder einmal ein fertiges Teil von der Rundstricknadel. Aus knapp über 200 g kuschelweicher Mohair-/Seidenmischung gestrickt. Als Muster wählte ich das sehr einfache kleine Perlmuster und glatt rechts im Wechsel, den Schnitt fand ich in einer meiner zahlreichen Strickzeitschriften. Leider - ich hätte es besser wissen sollen - ist das wunderschöne Teil für mich zu klein geraten. Dabei hatte ich schon eine vergrößerte Version errechnet und auch schon gute 15 cm gestrickt. Dann war ich der Meinung, es würde viel zu groß werden.
Jetzt steht es zum Verkauf und ich muss erst Nachschub ordern, bevor ich mir dieses Luxusteil noch einmal nadeln kann. Dann aber mindestens mit einem anderen Muster, auf jeden Fall aber 2 Nummern weiter.
- Kuschelweiche Mohair-/Seidenmischung zum superleichten Bolero gestrickt
- Ansicht von hinten
- Ansicht von der Seite
vom 20.-21.08.2011
Im Mittelalterdorf Bokenrode findet alljährlich ein großes Treffen der Mittelaltergemeinde statt und Sabine von den Wollküren hatte mich gefragt, ob ich nicht Lust hätte mit meinem Stand dabei zu sein. So eine Gelegenheit läßt man sich natürlich nicht entgehen, also packte ich am Freitag mein Zeug ins Auto und fuhr über die Weser ins fremde Niedersachsen, direkt nach Bokenrode (Fürstenberg - wo das berühmte Porzellan hergestellt wird).
Nun gehöre ich zwar nicht zur eingefleischten Gemeinde, aber wir Spinnschwestern und mein Angebot an pflanzengefärbter Strickwolle und Spinnfasern waren die Verbindung zur Neuzeit und wurden vom sehr interessierten Publikum zeitweise regelrecht umlagert. Die Taverne in einem neuzeitlichen Fachwerkhaus mit Lehmwänden und Fenstern ist ja auch so zu verstehen. Der Bau befindet sich sozusagen am Ende des Geländes mit seinen vielen Beispielen der Wohnkultur anno dazumal.
Wir verbrachten dann auch 2 sehr schöne Tage mit unglaublich vielen Eindrücken und Spass an den Spinnrädern und Spindeln und ich habe - wie immer wenn ich zu Gast bei der Spinngruppe bin - viel Neues gelernt. Was wieder mal der Beweis wäre, dass man sich nicht im stillen Kämmerlein verkriechen sollte, sondern ganz bewusst die Gesellschaft Gleichgesinnter suchen muss. Und das nicht nur, weil man sich dann auch weiter entwickeln kann. Spinnen in der Gemeinschaft macht einfach doppelt so viel Spaß.
Man sagt, Spinnräder seien Herdentiere und ich hab das immer etwas verspöttelt, mir reichte mein Mazurka von Kromski. So dachte ich. Aber mit der Zeit kamen die Verlockungen ins Haus.
Zuerst in Gestalt eines alten Flachsrades, das hier im Ort gefertigt wurde und auch viele Jahre in Gebrauch war. Es gehörte der Großmutter einer Nachbarin. Ich schätze, dass es um 1900 gebaut wurde. Mit ihm kann man nach einer Rundumreinigung ganz passabel spinnen. Allerdings nur, wenn ihm das Wetter, Luftfeuchtigkeit oder sonstige Umstände passen ….
Dann kam Bea aus Holland ins Haus. Sie ist sehr robust und leichtgängig. Grobe, dicke Wolle spinnt sie sehr zuverlässig, aber auch dünn spinnen geht ganz gut. Die Spulen haben ein großes Fassungsvermögen und sowohl die Spulenhalterung mit 2 Zusatzspulen als auch die Haspel sind alles andere als nur schmückendes Beiwerk.
Dann kam ein einfädiges Noname aus dem Schwäbischen zu mir. Eine liebe Spinnschwester wollte es los werden weil ihre Herde schon viel zu groß ist. Noname ist ebenfalls sehr leichtgängig und nimmt so schnell nicht krumm. Dünn spinnen geht super, für dickeres Garn ist Bea aber die bessere Wahl. Eine Spulenhalterung mit 2 Spulen und ein Wocken gehört zur Zusatzausstattung.
Zuletzt kam ein Lukow Merino dazu. Die Frau eines Freundes meines Mannes wollte es abgeben weil es bei ihr nur noch in der Ecke stand. Als einfädiges Reisespinnrad mit Spulenhalterung (2 Zusatzspulen), Teppichgarnspule und Haspel komplett ausgerüstet. Es ist sehr leichtgängig dank seiner Kugellager und ein sehr gutes Anfängerrad.
- Rechts das Kromski, in der Mitte das alte Flachsrad, links Bea
- Das Noname
- Lukow Merino mit Haspel
- Lukow Merino mit Teppichgarnspule (falsch aufgesteckt). Die gehört an Stelle des normalen Spinnkopfes. Der Umbau ist etwas tricky und dank einer fehlenden Aussparung auch so nicht nutzbar.
Das wollte ich jetzt endlich wissen, nachdem mir das Teil immer wieder in den Anleitungen und auch verschiedenen Blogs unterkam. Wie strickt sich so ein Möbiusschal? Ich stellte es mir ziemlich kompliziert vor. Aber nach einer wirklich guten Anleitung in dem Buch “Ajour, Lace … und ganz viele Perlen” von Christine Nöller wagte ich mich ins Abenteuer. Mit dem Ergebnis: wenn Frau weiß wie es geht ist es ganz einfach.
So ein Möbiusschal ist wirklich ganz einfach zu stricken, nur der Anfang ist etwas tricky. Aber mit der richtigen Anleitung gelingt er mühelos.
Gestrickt aus ca. 60 g Wolle/Seide/Bambus- Mischung (LL 425 m/100 g), die ich mit Anattosaat gefärbt habe.
- Möbiusschal nach einer Anleitung von Christine Nöller aus dem Buch: Ajour, Lace, ... und ganz viele Perlen
- Moebiusschal in rückwärtiger Ansicht
Meine Karottenernte war sehr üppig, entsprechend viel Kraut kam zusammen. So viel, dass ich mir nicht die Mühe machte, es zu wiegen. Einen Teil davon habe ich sogar getrocknet weil ich zur Erntezeit keine Zeit zum Färben hatte. Nach dem zweiten Schwung dann kam alles in einen großen Topf und wurde eingeweicht. Tags drauf dann ca. eine Stunde lang ausgekocht und abkühlen lassen. Dann habe die Färbebrühe durch ein Tuch in einen anderen Topf abgelassen und habe darin 500 g Merino-Kammzug und 60 g gesponnene Effektwolle gefärbt.
Das Ergebnis war enttäuschend, lediglich ein schwachgelber Ton kam heraus. Mir war das zu wenig. Also tat ich etwas Pottasche ins Farbbad, rührte gut um und tat die Wolle hinein. Sofort sah ich, dass das Ergebnis viel besser aussehen würde. Ein schöner gelblicher Grünton entwickelte sich.
- untere Reihe: links gesponnenes Effektgarn ohne Weiterentwicklung, rechts mit Pottasche entwickelt. Mitte: Wolle/Ramie-Mischung mit Pottasche. Oben: Wolle/Ramie-Mischung ohne Entwicklung
- Oben: Vlies vom Blue faced Leicester, mit Pottasche entwickelt Unten: Wolle/Seide/Bambus-Mischung in ausgekochten Resten von roter Beete (war hellrosa), mit 1 TL Natriumhydrosulfit wurde es dann ein helles Sonnengelb. Den Strang werde ich bei der nächsten Blaufärbeaktion überfärben. Vorne rechts: Wolle/Seide/Bambus-Mischung in ausgekochtem Trester von 1 kg Heidelbeere gefärbt.
- Merinokammzug in schönen gelb-grün Tönen aus dem ersten und zweiten Zug.
Die beiden anderen Färbungen gehören in die “Versuch macht kluch” Schublade. Frau ist ja wissbegierig
noch bis zum 23.09.2011 ist die Faserausstellung der Handspinngilde e.V. hier im Haus zu sehen.
Aus den Vliesen von 35 verschiedenen Schafrassen wurden von den Mitgliedern Fühlproben angefertigt - von der Rohfaser über das gesponnene Garn, das anschließend verstrickt, verwebt und verfilzt wurde. Das Ergebnis wird mit einem Bild der Rasse auf einer aufwendig gestalteten Tafel präsentiert.
Diese Ausstellung ist auch für Kinder gut geeignet.














